Hume

Hume
 
[hjuːm],
 
 1) Basil, englischer katholischer Theologe, Benediktiner, * Newcastle upon Tyne 2. 3. 1923, ✝ London 17. 6. 1999; 1950 Priesterweihe; wurde 1976 Erzbischof von Westminster und Kardinal und war ab 1979 Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales.
 
 2) David, englischer Philosoph, Ökonom und Historiker, * Edinburgh 26. 4. 1711, ✝ ebenda 25. 8. 1776. Das Jurastudium, das Hume seit 1723 in Edinburgh betrieben hatte, brach er nach drei Jahren ohne Abschluss ab. Während seiner Studienzeit kam Hume mit der newtonschen Physik sowie mit den Werken J. Lockes in Berührung, was ihn für die Zukunft entscheidend prägte. 1734-36 lebte er zurückgezogen in La Flèche, wo er die französischen Philosophen studierte und den »Treatise of human nature« (1739-40, 3 Bände; deutsch »Traktat über die menschliche Natur«) verfasste, der aber (im Unterschied zu den stilistisch glänzenden »Essays moral and political«, 1741) ohne das erhoffte Echo blieb. Hume beschloss daraufhin, eine populäre Fassung zu schreiben. So entstand »Philosophical essays concerning human understanding« (1748; deutsch »Eine Untersuchung in Betreff des menschlichen Verstandes«). In der Folge war Hume als Bibliothekar und als Sekretär in verschiedenen Positionen tätig. Weitere wichtige Werke wurden »An enquiry concerning the principles of morals« (1751; deutsch »Untersuchung über die Prinzipien der Moral«) und »Dialogues concerning natural religion« (posthum 1779; deutsch »Dialoge über natürliche Religion«). Mit »The history of England« (1754-62, 6 Bände) hat er die englische Geschichtsschreibung nachhaltig beeinflusst. Kurz vor seinem Tode verfasste Hume eine Autobiographie, »The life of D. Hume«, die von seinem literarischen Nachlassverwalter A. Smith 1777 herausgegeben wurde.
 
Hume gilt neben J. Locke als wichtigster Vertreter des englischen Empirismus. Sein erkenntnistheoretisches Werk stellt den Versuch dar, das Zustandekommen von Erkenntnis aus der Erfahrung zu analysieren. Hierzu unterscheidet Hume zwischen Wahrnehmungen (impressions) und Vorstellungen (ideas). Die Vorstellungen sind verblasste, durch Erinnerung oder Einbildung hervorgerufene Abbilder der unmittelbaren Wahrnehmungen. Allgemeine Ideen entstehen durch Assoziationen. Dies gilt auch für das Kausalprinzip, das aus der gewohnheitsmäßigen Verknüpfung von bestimmten Ursachen (»Die Sonne scheint«) und bestimmten Wirkungen (»Der Stein erwärmt sich«) beruht. Die unvollständige Induktion, also der Übergang von beobachteten Einzelfällen zu einer allgemeinen Aussage, hat lediglich eine gewohnheitsmäßige Rechtfertigung, nicht aber eine logische. Damit stellte Hume das traditionelle Verständnis der Gesetze der Naturwissenschaften infrage. Das Induktionsproblem beschäftigt auch heute noch die Wissenschaftstheorie.
 
Hinsichtlich der Ethik vertrat Hume die These, diese sei auf Fühlen und nicht auf Wissen zu begründen (»Nonkognitivismus«). Er kritisierte die Herleitung von ethischen Normen aus Fakten (»naturalistischer Fehlschluss«) mit der berühmten Formel »No Ought from an Is« (»Aus dem Sein folgt kein Sollen«). Mit seiner Auffassung, man erkenne moralisch gute Eigenschaften an ihrer Nützlichkeit, wurde Hume zu einem Wegbereiter des Utilitarismus.
 
Hume gilt auch als Mitbegründer der klassischen Nationalökonomie; im Gegensatz zu den Merkantilisten vertrat er die Ansicht, dass wirtschaftspolitisches Ziel nicht der Reichtum des Staates, sondern der Reichtum der Bürger sei, der wiederum v. a. auf Arbeit beruhe. In der Geld- und Zinstheorie vertrat Hume quantitätstheoretische Ansätze. Eine Vergrößerung der Geldmenge führe zur Steigerung des Sozialproduktes und damit zur Erhöhung der Reallöhne.
 
Ausgabe: The philosophical works, herausgegeben von T. H. Green und anderen, 4 Bände (1882-86, Nachdruck 1964).
 
 
E. Craig: D. H. Eine Einf. in seine Philosophie (1979);
 J. A. Passmore: H.s intentions (Neuausg. London 1980);
 A. J. Ayer: H. (Oxford 1980, Nachdr. ebd. 1991);
 G. Gawlick u. L. Kreimendahl: H. in der dt. Aufklärung (1986);
 P. Kopf: D. H. Philosoph u. Wirtschaftstheoretiker (1987);
 G. Streminger: D. H. 8.-10. Tsd. 1992);
 G. Streminger: D. H. Sein Leben u. sein Werk (31995);
 G. Deleuze: D. H. (a. d. Frz., 1997).
 
 3) [hjuːm], John, nordirischer Politiker, * Derry 18. 1. 1937; Lehrer; 1969-72 Mitglied des Parlaments von Nordirland, 1970 Mitbegründer und 1979-2001 Vorsitzender der Social Democratic and Labour Party (größte katholische Partei Nordirlands), 1973-75 und ab 1982 Mitglied der Nordirischen Versammlung, 1974 Handelsminister von Nordirland, wurde 1979 Mitglied des Europäischen Parlaments und 1983 Abgeordneter des britischen Unterhauses, war 1998-2000 Mitglied des nordirischen Regionalparlaments.
 
Hume und D. Trimble erhielten 1998 gemeinsam den Friedensnobelpreis für ihre Rolle beim Zustandekommen des nordirischen Friedensabkommens vom April 1998.

Universal-Lexikon. 2012.

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